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24. November 2018

25 Jahre Wirken für die AWO

Dr. Jürgen Richter feiert sein Dienstjubiläum

Seit 25 Jahren stellt Dr. Jürgen Richter nun schon seine Arbeit in den Dienst der Arbeiterwohlfahrt Frankfurt, seit dem 1. September 1993 als Geschäftsführer des AWO Kreisverbandes. Bedenkt man, dass die Arbeiterwohlfahrt im kommenden Jahr ihr 100jähriges Bestehen feiert, so hat er nahezu ein Viertel dieser Zeit die Geschicke der AWO in Frankfurt gelenkt.

Lieber Jürgen, Du bist jetzt 25 Jahre bei der AWO. Kannst Du Dich an Deinen ersten Tag bei der AWO erinnern?


DR. JÜRGEN RICHTER:
 Ja, natürlich. Ich habe ja nicht als Geschäftsführer angefangen, sondern als Heimleiter in Mörfelden- Walldorf und zuvor habe ich als Student noch als Pflegehelfer bei der AWO gearbeitet. In Mörfelden-Walldorf war ich allerdings nur ein gutes Jahr, dann bin ich stellvertretender Geschäftsführer geworden. Nicht etwa weil ich so eine Hybris hatte, mich gleich darum zu bewerben, sondern weil ich aufgefordert worden bin. Ein weiteres Jahr später wurde ich Geschäftsführer.

Was mir dabei besonders in Erinnerung blieb: An meinem ersten Tag als Heimleiter sagte mir die Kollegin, die dort die Verwaltung machte: „Sie werden noch mal Geschäftsführer“. Dass sie Recht behalten wird, hatte ich damals nicht gedacht. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich dann nach Frankfurt gewechselt bin als Stellvertreter; aber auch an den 1. September 1993, als ich dann offi ziell Geschäftsführer geworden bin. Das war schon ein besonderes Gefühl, zu wissen, dass man für diesen großen Verband jetzt die Verantwortung übernimmt.
Anfangs war es natürlich schwierig. Wenn man aber das Netzwerken gewohnt ist und die Fachlichkeit kennt, bekommt man das schon hin – und das bis heute.

Was sind die Meilensteine Deiner Arbeit als Geschäftsführer?


DR. JÜRGEN RICHTER:

 Es gibt so viele Meilensteine, dass es sich beinahe verbietet einzelne hervor zu heben. Aber man schaut ja auch zurück bei einem solchen Jubiläum und überlegt, wie sich die Arbeiterwohlfahrt veränderte in der Zeit, seitdem man die Verantwortung übernommen hat. Diese Veränderungen beruhen insbesondere auf dem gesellschaftlichen Wandel, neuen Herausforderungen und neuen Anforderungen, die an die Arbeit eines Wohlfahrtsverbandes gestellt werden.

Als ich begonnen habe, gab es beispielsweise das Selbstkostendeckungsprinzip und die Heime waren ehrwürdige Institutionen. Heute ist einiges sehr viel ungewisser, wir müssen sehr viel mehr gestalten und wir haben deutlich mehr Risiken, die wir nicht vorherberechnen können. Wir müssen uns in einem künstlichen Wettbewerb in der Pflege behaupten und die Privilegien der Wohlfahrtsverbände sind zusammengeschmolzen worden. Das alles verlangt von uns, dass wir flexibler werden.

Wie äußert sich diese Flexibilität und wie wirkt sich das auf die Arbeit der AWO aus?

DR. JÜRGEN RICHTER:
Die Arbeiterwohlfahrt hat drei wesentliche Säulen. Sie ist ein fachlicher Verband, der auch inhaltliche Diskussionen voranbringt, was die Expertise und die Fachlichkeit von Dienstleistungen auf hohem Niveau angeht. Sie ist ein Dienstleister, der sich am Markt bewähren muss, der also über die fachliche Expertise hinaus konkrete Handlungskompetenz bei der Erbringung von sozialen Dienstleistungen besitzen muss.
Und last but not least – eigentlich das Wichtige – ist sie ein traditionsreicher politischer Verband. Sie ist eine Lobby für die Schwächeren und mischt sich auch immer wieder in politische Debatten ein.
 
Diese drei Aspekte der Arbeiterwohlfahrt in Kongruenz zu bringen, ist nicht immer ganz einfach und stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Ganz konkrete Tagesentscheidungen fi nden in einem Spannungsverhältnis statt, gerade vor dem Hintergrund der Anforderungen, die an uns gestellt werden. Es hat sich viel verändert. Die stationäre Altenpfl ege ist nicht mehr das einzige Standbein von uns. Wir haben uns zum richtigen Zeitpunkt in Arbeitsfeldern engagiert, die zukunftsträchtig waren und sind. Aber dieser Prozess ist nie abgeschlossen. Ich halte es für sehr wichtig, dass wir hungrig auf neue Aufgaben bleiben, dass wir sensibel für die Bedürfnisse unserer Umwelt bleiben und dass wir auch liebgewonnene Dinge, die wir über viele Jahre betrieben haben, ab einem bestimmen Punkt beenden können, wenn wir sehen, dass sich die Rahmenbedingungen nachhaltig verändert haben. In der Management-Wissenschaft spricht man von der Beerdigung der Erfolge von gestern. Die Hauptkontinuität, die ich in meinen 25 Jahren bei der AWO erlebt habe, ist der Wandel.

Welches erreichte Ziel erfüllt Dich in der Retrospektive mit Zufriedenheit?

DR. JÜRGEN RICHTER:

 Vor allem unsere Rückkehr in die Betreuung von Kindern und der damit verbundene rasante Ausbau der U3-Betreuung und der Kitas. Als ich anfing hatten wir noch drei Spiel- und Lernstuben, aber keine Regeleinrichtung mehr. Heute sind wir ein großer Träger und mittlerweile für nahezu 1.000 Kinder verantwortlich. Mich freut es und es macht mich auch ein Stück weit stolz, dass uns so viele Eltern ihre Kinder anvertrauen.
Frühförderung ist die Voraussetzung dafür, dass Kinder schulisch und später auch berufl ich erfolgreich werden. Wir brauchen kein Curriculum für Kinder sondern ein Umfeld, das Sicherheit vermittelt, der Neugier Rechnung trägt und diese fördert und den Kindern die Möglichkeit bietet, sich zu entwickeln und zu entfalten – ganz nach dem Motto „Entdecker voraus!“.

Was zählt noch dazu?

DR. JÜRGEN RICHTER:

 Nach dem Ende des Bundesmanteltarifvertrages waren wir einer der ersten Träger, auch innerhalb der AWO, die den TVÖD abgeschlossen haben. Uns ist es – nach wie vor – sehr wichtig, unseren Mitarbeiter*innen die Sicherheit eines Tarifvertrages und einer betrieblichen Zusatzversorgung zu bieten. Das wurde auch durch die Gewerkschaft Ver.di im Kompass für Pflegeheime entsprechend gewürdigt.

Darüber hinaus ist es uns gelungen, den TVÖD als Standardtarifvertrag in Frankfurt durchzusetzen. Der nächste Schritt ist ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag für die Pfl ege und vielleicht sogar ein bundesweiter Tarifvertrag für den gesamten sozialen Sektor. Dafür werden wir gemeinsam mit den Gewerkschaften kämpfen. Ungeachtet dessen stehen wir an der Seite unserer Mitarbeiter*innen
und wollen die gesellschaftliche Akzeptanz, Wertschätzung und das Ansehen sozialer Berufe erhöhen, was sich natürlich auch in einer entsprechenden Bezahlung niederschlagen soll.

 Ist die Arbeiterwohlfahrt mit Dir als Geschäftsführer politischer geworden?

DR. JÜRGEN RICHTER:

Ich weiß nicht, ob das etwas mit mir zu tun hat. Die AWO war schon immer politisch. Heute ist sie wahrnehmbarer geworden, als sie es vielleicht früher war. Unsere Arbeiterwohlfahrt war immer genau die, die in der jeweiligen Zeit besonders gefordert und gebraucht wurde.

 Heute brauchen wir wieder eine Arbeiterwohlfahrt, die sich sehr deutlich politisch positioniert, die sehr deutlich dem Zeitgeist, der scheinbar durch die Narrative des Rechtspopulismus charakterisiert wird, entschieden die Stirn bietet und klarmacht: Keinen Fußbreit diesen Ideen; keinen Fußbreit den Antisemiten und Homophoben; keinen Fußbreit den Fremdenfeinden und Shoa-Relativierern, die die Geschichte als Fliegenschiss bezeichnen; keinen Fußbreit denen, die andere wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, oder aus anderen Gründen für nicht in diesem Land heimisch erachten.

Wie lange bleibst Du der AWO noch erhalten?

DR. JÜRGEN RICHTER:

Regulär habe ich noch vier Jahre als Geschäftsführer vor mir. Aber auch nach meiner Berentung werde ich weiter für den Verband aktiv sein und stehe mit Rat und Tat zur Seite. Es bleibt noch genug zu tun und ich habe Lust mitzumischen. Mich erwarten neben der AWO mein Herzensprojekt, die Förderung der deutsch amerikanischen Freundschaft in der Frankfurt-Philadelphia- Gesellschaft, die Arbeit in der Jüdischen Gemeinde und natürlich auch der Vorstand der AWO Wiesbaden, in dem ich als stellvertretender Vorsitzender 

mitwirke.

Was wünschst Du der AWO für die nächsten 25 Jahre?

DR. JÜRGEN RICHTER:

 Ich wünsche der AWO, dass es uns gelingt, unsere Demokratie zu bewahren, dass es auch weiterhin einen sozialen Staat gibt und es uns ebenfalls gelingt, erkämpfte Standards zu bewahren und auszubauen.

Ich wünsche der AWO, dass sie auch weiterhin am Puls der Zeit die passenden Angebote und Dienstleistungen für die Menschen entwickelt und dabei mitwirkt, die Antworten auf drängende politische und gesellschaftliche Fragen zu finden.

Ich wünsche der AWO den Mut, auch weiterhin für unsere Werte einzustehen und diese gegen die Angriffe von Populisten und Ewiggestrigen zu verteidigen. Nur mit einem starken Wertefundament können wir eine Gesellschaft gestalten, die von Offenheit und Mitmenschlichkeit geprägt ist. Und dafür eignet sich die AWO als starker Partner und Keimzelle für ehrenamtliches Engagement ganz hervorragend.

Das Interview mit Dr. Jürgen Richter führte Johannes Frass