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Who’s that girl – wer schüttelt da John F. Kennedy die Hand?

Die Frau, die da unter den Augen des Frankfurter OB Bockelmann den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy begrüßt, ist Marie Bittorf, die aus der Geschichte der AWO nicht wegzudenken ist. Das „shake hands“ bei Kenndys legendärem Frankfurt-Besuch im Juni 1963 vollzog sie in ihrer offiziellen Funktion als „Stadtälteste“.

Wer war sie?

Maria Olga Bittorf wurde am 5. 9. 1886 im thüringischen Mühlhausen in bäuerlichen Verhältnissen geboren. Als junges Mädchen kam sie nach Frankfurt „in Stellung“, wie es damals hieß – also als Hausmädchen. Schon 1906, mit gerade 20 Jahren, engagierte sie sich bei der Gründung einer gewerkschaftlichen Organisation der Hausbediensteten, die allzu oft unerträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen auszuhalten hatten. 1910 wurde sie auch Mitglied der SPD, nachdem sie zuvor als interessierte Zuhörerin mehrfach von der Polizei aus Versammlungen verwiesen worden war. 1917 trat sie – als erste Frau – ihren Dienst als städtische Krankenfürsorgerin im Rahmen der AOK an, sie war dort bis 1933 angestellt.

Ihr Engagement in der Frauenbewegung brachte sie in Kontakt mit Meta Quarck-Hammerschlag, mit der sie eine lebenslange Freundschaft pflegen sollte. Wie ihre Freundin Meta, ging sie nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in die Kommunalpolitik und nahm von 1919 bis 1933 ihr Mandat in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung wahr, als eine der ersten beiden Frauen in diesem Amt. Und zusammen mit Meta Quarck-Hammerschlag war sie „Urgestein“ bei der Gründung der AWO Frankfurt. Darüber hinaus zog sie 1920 – wieder als erste Frau! – in den Hessischen Kommunallandtag ein, wo sie bis 1925 und noch einmal kurz 1929 mitwirkte.

Die Nationalsozialisten entließen Marie Bittorf 1933 aus ihrem Beschäftigungsverhältnis, immerhin wurde ihr eine Rente zuteil. Bis Kriegsende war sie weiter als ehrenamtliche Fürsorgerin tätig. Noch 1945 gelang es ihr zusammen mit Anny Beyer, die AWO Frankfurt nach den verbotenen 12 Jahren wieder ins Leben zu rufen. Das Nachkriegsjahr 1946 erlebte sie beruflich wieder als AOK-Beschäftigte im Rang einer Verwaltungsobersekretärin. Zugleich erhielt Marie Bittorf ein Stadtverordnetenmandat und saß für weitere 10 Jahre in diesem Gremium. Mit einigen anderen Frauen hatte sie 1946 den Frankfurter Frauen-Ausschuss – den nachmaligen Frankfurter Frauen-Verband – gegründet und kümmerte sich um sozial- und gesundheitspolitische sowie Bildungsaufgaben. Die Bundesrepublik Deutschland würdigte ihr Engagement 1952 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.
In den Nachkriegsjahren kümmerte sie sich um ihre betagte Freundin Meta Quarck-Hammerschlag und teilte mit ihr die Wohnung in Frankfurt-Bornheim, wo Meta 1954 verstarb. Marie Bittorf wurde nach ihrem festlich begleiteten Ausscheiden aus der Stadtverordnetenversammlung - noch einmal als erste Frau! – zur Stadtältesten Frankfurts ernannt. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie im Bürgermeister-Gräf-Haus; dort starb sie am 5. September 1974 im Alter von 88 Jahren.

Hanna Eckhardt
Bild Institut für Stadtgeschichte