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Ein Leben für Demokratie und Sozialismus

„Die rote Geranie will ich wohl pflegen!“, kommentierte die alte Sophie Ennenbach ein spezielles Blumengeschenk. Was hat das für eine Geschichte?

Am 2. April 1879 in Daun (Eifel) als Tochter des Gerichtsvollziehers und Schreibers Friedrich Schlösinger und seiner Frau Anna geboren, wuchs Sophie mit ihren fünf Geschwistern in Wehen im Taunus in sehr einfachen Verhältnissen auf. Die Familie verzog 1894 nach Frankfurt, wo Sophie als Haus- und Kindermädchen „in Stellung“ ging. Dort war sie mehrfach sexuellen Nachstellungen der Hausherren ausgesetzt, wurde unterbezahlt und unzureichend ernährt.
Sie wechselte in die Fabrikarbeit und erfuhr dort durch einen Kollegen die erste Politisierung. Er gab ihr Bebels „Die Frau und der Sozialismus“ und die „Volksstimme“ zu lesen. Abends absolvierte sie eine Haushaltungsschule. Ein Selbststudium in Stenografi  und Schreibmaschine brachte ihr eine Bürostelle in einer Schleifmittelfabrik ein. Im Dezember 1900 heiratete Sophie den Schlosser Peter Ennenbach. 1903 wurde ihre Tochter Anna, 1904 der Sohn Peter geboren, der schon nach drei Wochen starb, und 1907 folgte Rose.

FRANKFURTER SPD-DELEGIERTE

Sophie Ennenbach wirkte im Ausschuss für Volksvorlesungen mit, lernte hier Henriette Fürth kennen. Am 1. Mai 1909 wurde sie SPD-Mitglied, saß nach kurzem im Kreisvorstand und nahm 1911 als Frankfurter Delegierte am Jenaer Parteitag teil. Sie hörte dort die Reden von Rosa Luxemburg, Clara Zetkin, August Bebel, Luise Zietz und Karl Liebknecht. Sie selbst sprach auf der anschließenden Frauenkonferenz; dies mündete in die Mitarbeit in der Zeitschrift „Gleichheit“. 1911 organisierte sie den ersten Internationalen Frauentag, und im selben Jahr wurde si  wieder berufstätig, als Halbtagsgeschäftsführerin im Verband der Hausangestellten, wo auch ihre Mitstreiterin Johanna Tesch maßgeblich aktiv war.

Im Frühjahr 1914 beendete Sophie Ennenbach ihre schwierige, quälende Ehe und lebte mit ihren Töchtern und ihrer Mutter zusammen. Nach Kriegsausbruch hatte sie im Ausschuss der Städtischen Arbeitsvermittlung alle Hände voll zu tun, zumal unter Kriegsbedingungen die bislang errungenen gewerkschaftlichen Rechte bedroht waren.

ÜBERZEUGTE KRIEGSGEGNERIN

Den Ersten Weltkrieg begrüßte sie nicht, im Gegensatz zur überwiegenden Mehrheit der Sozialdemokraten. In Sophies Heim verlas Toni Sender vor einem kleinen Kreis das Berner Manifest der Internationalen Frauenkonferenz in Bern mit der Distanzierung vom Krieg. Diese beiden prominenten Frankfurter SPD-Frauen schlossen sich 1917 der USPD an. Beruflich war sie mittlerweile Leiterin der weiblichen Abteilung des Arbeitsamtes Frankfurt, politisch fand sie sich beim Kapp-Putsch als eine von drei Rednerinnen eingesetzt.

AWO FRAU UND ENGAGIERT IM KINDERSCHUTZ

In den Jahren der Weimarer Republik war sie insbesondere für die Kinderschutz- Kommission der SPD und in der Arbeiterwohlfahrt aktiv, z. B. in der Jugendwohlfahrts-Deputation. Die AWO Frankfurt delegierte sie zur Reichskonferenz 1929. Sophie Ennenbach nahm 1922 an einem Kurs der als „Frauenseminar für soziale Berufsarbeit“ gegründeten Wohlfahrtsschule für Hessen und Nassau teil, wo auch später ihre Tochter Rose ausgebildet wurde.

Beide erfuhren 1933 Berufsverbot durch die Nazis; Sophie war eine der ersten, die dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in Frankfurt zum Opfer fielen. Sie und ihre Familienmitglieder erlebten die Verfolgung und Demütigung von jüdischen und regimekritischen Freunden und Verwandten sowie zahlreiche
Suizide angesichts des Terrors.

Der Zweite Weltkrieg verschlug sie nach Berlin, zu ihrer Tochter Rose und deren Mann Bodo Schlösinger. Die beiden wurden itglieder der „Rote Kapelle“ genannten Widerstandsgruppe gegen Hitler. Sophie musste erfahren, dass ihre Tochter, inzwischen selbst Mutter eines kleinen Mädchens, verhaftet und wie zahlreiche weitere Mitglieder dieser Gruppe in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde.

AKTIV BEIM AUFBAU DES SOZIALISMUS

Das Kriegsende erlebte sie im Raum Berlin und zog dann nach Luckenwalde, wo sie – mittlerweile 67-jährig – im reorganisierten Arbeitsamt 1946 noch einmal aktiv wurde. Sie beschloss, nicht mehr in den Westen zurückzukehren, sondern am Aufbau des Sozialismus im anderen deutschen Staat mitzuwirken, und sie engagierte sich für die Gruppe der Verfolgten des Naziregimes, die VVN, sowie in der SED. Ihr wurde zu einem Geburtstag eine Topfgeranie, stellvertretend für die gerade nicht verfügbare sozialistische rote Nelke, geschenkt, die sie wie eingangs erwähnt kommentierte.

Sophie Ennenbach starb 1962 in einem „Feierabendheim“ (Altersheim) nahe Berlin, geehrt und geliebt auch von einer jüngeren Generation für ihre Menschlichkeit, ihre Geradlinigkeit und ihr nimmermüdes Engagement für ihre Mitmenschen.

Ein mittlerweile fast 92 Jahre alter Luckenwalder, Dr. Herber Fiedler, erinnert sich noch heute bewegt an sie mit den Worten: „Ich kam 1949 nach fünfjähriger Kriegsgefangenschaft mit 23 Jahren zurück nach Jüterbog. Und was nun? ... da hatte ich großes Glück, da war die Sophie. Ich habe sie als grauhaarige und politisch sehr engagierte alte Dame in bildhafter Erinnerung. Und sie war besorgt um mich…, (so) dass ich als Jugendvertreter bei der Kreisverwaltung Luckenwalde als Sachbearbeiter für Jugendförderung und Jugendgerichtshilfe meine erste Aufgabe erhielt... – sie war einer der ersten Menschen, die sich um mich kümmerten.“

Hanna Eckhardt