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Henriette Fürth: Multitalent und Muttertier

In Frankfurt und in Gießen gibt es eine Henriette Fürth-Straße, die SPD-Geschäftsstelle in Gießen heißt nach ihr, in Frankfurt wird der Henriette Fürth-Preis der Fachhochschulen verliehen, und im Henriette-Fürth-Haus der AWO Frankfurt werden jetzt 200 Geflüchtete betreut – viele Gründe, etwas Näheres über diese Frau zu erfahren.

„Soziologin, Sozialpolitikerin und Frauenrechtlerin“ ist ihr Portrait in der Biografie (s.u.) bezeichnet. Vor gut 155 Jahren, am 15.8.1861, wurde Henriette in Gießen geboren. Ihre Eltern waren Siegmund und Sophie Katzenstein, Siegmund betrieb eine Holzhandlung. Die „Lieblingstochter ihres Vaters“ erfuhr im gutbürgerlichen Elternhaus eine politisch liberale Prägung; einer ihrer Brüder war ein bekannter Sozialist, Simon Katzenstein.

ENGAGEMENT FÜR ARME FAMILIEN
Ihren Wunsch, Lehrerin zu werden, konnte sie trotz Besuchs des Lehrerinnenseminars der Elisabethenschule in Frankfurt nicht verwirklichen. 1880 heiratete sie den Lederwarenhändler Wilhelm Fürth und zog mit ihm 1885 nach  Frankfurt. Von Anbeginn war sie dem Hauspflegeverein verbunden, zunächst als Aufsichtsdame, dann als Vorstandsmitglied. Dieser Verein hatte sich der Betreuung armer Familien in Krisensituationen, wenn die Hausfrau  und Mutter einmal ausfiel, verschrieben. Zusammen mit den Frankfurter SPD-Frauen Johanna Tesch und Lina Heiden gründete sie 1902 den Bildungsverein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse.

JOURNALISTIN UND FRAUENRECHTLERIN

Als das Geschäft ihres Mannes in Konkurs ging, verdiente sie den Familienunterhalt durch eine Teilzeittätigkeit in der „Centrale für private Fürsorge“ und als Journalistin und Referentin. Henriette hatte sich jahrelang autodidaktischen Studien gewidmet und stieg um 1890 in den sozialpolitischen, wissenschaftlichen und journalistischen Ring: als Mitglied der „Wirtschaftlichen Sektion des Freien Deutschen Hochstifts“ veröffentlichte sie 1896 ihre erste Studie „Frauenarbeit in der Herrenschneiderei“, sie wirkte sowohl in der allgemeinen wie auch in der jüdischen Frauenbewegung und kümmerte sich um Mutterschutz, um die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und um die Herabsenkung der Säuglingssterblichkeit.

AWO-FRAU DER ERSTEN STUNDE
Henriette Fürth war AWO-Frau der ersten Stunde in Frankfurt, sie beteiligte sich auch an der Gründung der Säuglings- und Mütterberatungsstelle und der Rechtsschutzstelle für Frauen. Im Ersten Weltkrieg engagierte sie sich, wie etliche sozialdemokratische Frauen, bei der Einrichtung von Kriegsküchen; sie stand der ersten dieser Art, im September 1914 in Bornheim eingerichtet, vor. Und sie kümmerte sich um die Schicksale der – meist versehrten – Kriegsteilnehmer.

BEDEUTENDE VERTRETERIN DER PROLETARISCHEN FRAUENBEWEGUNG
Die achtfache Mutter – zuletzt brachte sie 1899 ein Zwillingspärchen zur Welt – leistete ein schier unglaubliches Arbeitspensum. Sie schrieb über 300 Artikel, Aufsätze, Reden, Besprechungen. In der Wahlperiode 1919- 1924 wirkte sie als Stadtverordnete im Finanzausschuss sowie in den Deputationen für das Gesundheits- und Schulwesen sowie das Lebensmittelamt. Frankfurt verdankte ihr 1920 eine Einrichtung für arbeitslose Jugendliche. Henriette Fürth gilt als eine der bedeutenden Vertreterinnen der proletarischen, das heißt SPD-nahen Frauenbewegung, und wegen ihrer grundsätzlichen Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Frauen als Widerpart zu Clara Zetkin – was aber persönlicher gegenseitiger Wertschätzung keinen Abbruch tat. Und sie hat, wie nur wenige, Verbindungen hergestellt zwischen der jüdischen Frauenbewegung (repräsentiert etwa durch Bertha Pappenheim) und der Frauenbewegung der Arbeiterklasse.

EIN STREITBARER GEIST
Die sehr selbstbewusste, gern streitbare Henriette Fürth ist im Laufe ihres reichen und wirkungsvollen Lebens mit  etlichen Zeitgenossen teils arg aneinandergeraten – sie wusste, wer sie war, was sie wollte und wie sie es durchsetzen konnte – aber sie hatte auch einen guten Schuss Humor, der sie z. B. zum Ausklang ihres ersten Stadtverordnetenjahres Ende 1919 eine „Kapuzinade“ verfassen ließ, in der sie u.a. Meta Quarck-Hammerschlag, Toni Sender, Anna Schultz, Marie Bittorf, aber auch männliche Kollegen in gereimter Form aufs Korn nahm. Henriette Fürth, viel geehrt – 1931 mit der Ehrenplakette der Stadt Frankfurt und einer Ehrenurkunde der Universität – 1933 dann von den Nazis entlassen und mit Berufsverbot belegt, zog als Witwe in den Haushalt ihres Schwiegersohnes, des Rabbiners Friedrich Laupheimer, nach Bad Ems. Dort starb sie am 1. Juni 1938, die verfolgende Hand der Nazis erreichte sie nicht mehr. Wohl aber ihre Kinder – zwei ihrer Töchter wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, sechs Kindern gelang die Flucht nach Palästina und England. Henriette Fürths Nachfahren leben auf mehreren Kontinenten verstreut.

Hanna Eckhardt