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Familie verpflichtet: Betty Arndt und andere...

Betty Arndt (5.6.1899 bis 23.7.1984), geborene Stunz, war zeitlebens ein AWO- und sozialdemokratisches Urgestein. Sie schrieb für die Arbeiterwohlfahrt ebenso wie für die Frankfurter SPD in entscheidenden Funktionen Geschichte.

Die nach ihrer Großmutter benannte Anna Babette, genannt Betty – Tochter von Heinrich Stunz und Karoline Stunz, geborene Prinz – ist in der Maulbeerstraße im Frankfurter Ostend als Jüngste in der „Prinz-Stunz-Dynastie“ geboren und aufgewachsen. Wie ihre Geschwister Johanna, Heinrich, Dorle, Jean und August wuchs sie in aller Selbstverständlichkeit in einem „mit Leib und Seele“ sozialdemokratisch arbeiterbewegten Familienzusammenhang auf.

Betty heiratete 1922 den aus Stolp in Pommern stammenden Gewerkschaftssekretär Konrad Arndt, ein Absolvent des ersten Lehrganges der Akademie der Arbeit und nachmaliger Stadtverordneter in Wiesbaden. Sie hatte den Beruf der Kontoristin gelernt, trat 1917 – mit gerade 18 Jahren – in die SPD ein und arbeitete von 1916 bis 1922 im Frankfurter SPD-Parteibüro – heute würde man sagen als Geschäftsführerin.
Auch war sie in der SAJ, der Sozialistischen Arbeiter-Jugend, aktiv. Ehrenamtlich engagierte sich Betty Arndt von Anfang an für dieFrankfurter Arbeiterwohlfahrt. 

ZWEI SÖHNE, DIE FRANKFURT PRÄGTEN
Das Ehepaar bekam zwei Söhne, die wie ihre Eltern und Großeltern Frankfurt geprägt haben: Rudi und Günter Arndt. Rudi ist vielen Frankfurtern noch als ehemaliger Oberbürgermeister für die SPD vertraut. Sein Bruder Günter verband sich lebenslang der DKP und hielt der AWO ebenfalls die Treue. Ihr Lebensweg führte Betty und ihren Mann zunächst nach Bautzen, wo Söhnchen Günter geboren wurde. Dann „strandete“ die junge Familie in Wiesbaden, hier erblickte Rudi das Licht der Welt. Konrad Arndt war seit 1926 Arbeitersekretär des Gewerkschaftsbundes – und er wurde Stadtverordneter.
Günter und Rudi wuchsen im Umfeld der „Falken“ und der „Freien Turner“ in Wiesbaden auf, die beiden wurden von den Eltern zu Veranstaltungen und 1. Mai-Treffen mitgenommen. Die Familie pflegte enge Verbindung zur Frankfurter Verwandtschaft, auch zur Familie von Bettys älterer Schwester Johanna, die den Kommunalpolitiker Karl Kirchner geheiratet hatte.

VERTEIDIGER DER WEIMARER REPUBLIK
Bettys Mann, Konrad Arndt, war in Wiesbaden in vorderster Front aktiv im „Reichsbanner“ und in der „Eisernen Front“ – beides Kampforganisationen gegen die Nationalsozialisten und zur Verteidigung
der Weimarer Republik. 1933 ereilte die Familie das schlimme Schicksal der NS-Verfolgung: Konrad Arndt wird bei einem SS-Überfall durch Messerstiche schwer verletzt, dann verhaftet und inhaftiert. Betty wird vom Familienverband aufgefangen, sie ziehen nach Frankfurt.

1940 stirbt Konrad, stets von der Gestapo überwacht, bei einem bis heute ungeklärten mysteriösen Autounfall. Betty und die Söhne hatten extrem belastende und von existentieller Not gekennzeichnete Jahre vor sich und konnten nur durch ein Unterstützungssystem von Vertrauten, die allesamt NS-Gegner und/ oder Angehörige von Verfolgten waren, überleben. Johanna, Bettys Schwester, wurde in ihrem Fluchtland Frankreich an die Nazis ausgeliefert und vom Präsidenten des Volksgerichtshofes Roland Freisler höchstpersönlich zum Tode verurteilt.

BETTY HÄLT POLITISCH GEGENSÄTZLICHE FAMILIE ZUSAMMEN

Bettys Söhne überlebten glücklicherweise den Krieg und engagierten sich, wenn auch in sehr verschiedener Weise, im Frankfurt der Nachkriegszeit. Und Betty selbst? Sie hielt eine Familie
zusammen, die politisch sehr gegensätzlich war, teils sozialdemokratisch, teils kommunistisch:
„…aber bei aller Gegensätzlichkeit, wenn es zu heiß wurde, hat Mutter immer gebremst und uns daran erinnert, dass wir zusammen gehören“, so Rudi Arndt. Toleranz und der Sinn für Gerechtigkeit waren oberstes Familienprinzip, generationenübergreifend praktiziert.

STADTVERORDNETE UND ENGAGIERT FÜR DIE AWO
„Meine Mutter hat Rudi und mich kurz nach Kriegsende bei der AWO angemeldet. Sie hat uns vorher nicht gefragt, es war eine Selbstverständlichkeit“, teilte Günter Arndt später mit. Betty Arndt warf sich mit Verve in die Sozialpolitik im Nachkriegs-Frankfurt, sie war von 1952 bis 1964 Stadtverordnete, ab 1964 ehrenamtliche Stadträtin. Ihr Engagement galt der Arbeiterwohlfahrt, dem Frankfurter Frauenverband, der Pro Familia, dem Müttergenesungswerk, dem Seniorenbeirat und der Johanna- Kirchner-Stiftung, die im Gedenken an ihre ermordete Schwester errichtet worden war, und wirkte bis ins hohe Alter
als Sozialpflegerin und -helferin.

Anlässlich der Wahl ihres Sohnes Rudi zum Oberbürgermeister Frankfurts im Jahr 1972 trat sie von ihren Ämtern im Magistrat zurück. Schon 1964 mit der Römerplakette honoriert, wurde ihr in Würdigung ihrer zahlreichen Verdienste 1974 die Wilhelm- Leuschner-Medaille verliehen.

Hanna Eckhardt